Loser schwarzer Tee mit Gewürzen und Früchten

Von schwarzen Drachen und betrogenen Grafen – die wichtigsten Teelegenden im Überblick

Mit seiner 5000-jährigen Geschichte gehört Tee zu den ältesten Getränken überhaupt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich zahlreiche Mythen und Legenden um den beliebten Aufguss ranken. Die wichtigsten haben wir hier einmal kurz und bündig für Sie zusammengefasst.

Die Geburtsstunde des Tees – drei Länder, drei Legenden

Beginnen wir erst einmal mit der Entdeckung des Tees. Hier stehen gleich drei verschiedene Sagen zur Auswahl.

In China schreibt man diese Entdeckung dem Kaiser Shen Nung zu. Dieser soll zufällig unter einer wilden Teepflanze Rast gemacht haben. Dort entzündete er ein kleines Feuer, um Wasser abzukochen und dieses damit trinkbar zu machen. Es begann ein Wind zu wehen, der einige Blätter von der Teepflanze loslöste. Diese fielen in das kochende Wasser, welches daraufhin begann seine Farbe zu verändern und einen angenehmen Duft zu verströmen. Dieses Phänomen weckte die Neugier des Kaisers, er trank einen Schluck von dem geheimnisvollen Sud und bemerkte sofort eine belebende und erfrischende Wirkung. Schon kurze Zeit später wusste man in ganz China über den leckeren Wundersud Bescheid.

In Indien soll es ein Prinz oder ein Missionar gewesen sein, der die Teepflanze entdeckte. Dieser hatte es sich als Ziel gesetzt, den Buddhismus zu ergründen und zog deshalb auf Wanderschaft durch China. Um der Erleuchtung näherzukommen, hatte er geschworen, sieben Jahre ohne Schlaf zu verbringen. Fünf Jahre hielt er tapfer durch, doch dann wurde er von einer schweren Müdigkeit überwältigt. Beinahe am Ende seiner Kräfte angelangt und der Witterung schutzlos ausgesetzt schleppte er sich unter einen am Wegesrand stehenden Strauch. Von dessen Zweigen riss er ein paar Blätter ab und steckte sich diese in den Mund. Er begann auf diesen zu kauen und spürte schon nach kurzer Zeit, wie sein Körper von neuer Kraft durchströmt wurde. Mithilfe des Teestrauchs konnte er sein Gelübde doch noch halten.

Eine japanische Legende handelt von einem Mönch, der den Namen Bodhidharma trug. Dieser war Zwecks missionarischen Tätigkeiten in China unterwegs. Während dieses Aufenthaltes schwor er, sieben Jahre lang zu meditieren. Doch genauso wie der indische Prinz wurde auch Bodhidharma nach einigen Jahren von einer unerträglichen Müdigkeit befallen. Seine Verzweiflung war so groß, dass er sich sogar seine Augenlider abschnitt, um nicht dem Schlaf zu verfallen. Von sich selbst enttäuscht schleuderte er diese zu Boden. Dort wurde aus ihnen ein Strauch mit schön anzusehenden grünen Blättern. Der neugierige Mönch pflückte einige dieser Blätter und kostete diese. Bereits nach wenigen Augenblicken war er wieder hellwach. So konnte er seinen Schwur doch noch einhalten.

Aber auch zu einzelnen Teesorten erzählt man sich wundersame Dinge.

Wie der Oolong Tee zu seinem Namen kam

Übersetzt man das chinesische Wort „Oolong“ ins Deutsche, so meint dieser Begriff etwa so viel wie „schwarzer Drache“. Und genau dieser soll bei der Entdeckung des halbfermentierten Tees eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben. Ein Teebauer war gerade mit der Ernte beschäftigt, als er von dem bedrohlichen Ungetüm überrascht wurde. Der arme Mann nahm natürlich sofort die Beine in die Hand und wagte sich erst einige Tage später wieder zurück zu seinem Teefeld. Dort fand er zwar keinen Drachen mehr vor, dafür aber die zuvor geernteten Teeblätter, die er bei seiner Flucht auf dem Boden liegen gelassen hatte. Nach der langen Zeit in der Sonne waren diese nun schwarz verfärbt. Der Teebauer hielt sie für verdorben, war aber trotzdem neugierig und bereitete schließlich einen Tee aus den oxidierten Blättern zu. Das Ergebnis war ein köstlich schmeckender Sud. Diese neue Art von Tee war bald in ganz China unter dem Namen „Schwarzer-Drachen-Tee“ bekannt.

Laut einer anderen Legende soll nicht etwa ein Drache zu der Erfindung des Oolong Tees geführt haben, sondern ein Hirsch. Dieser lief einem Mann während der Teeernte über den Weg. Vom Jagdinstinkt gepackt setzte der Mann dem schönen Tier nach. Die frischen Teeblätter ließ er zurück, ohne sie zuvor zu trocknen. Erst ein paar Tage später kamen ihm diese wieder in den Sinn. Enttäuscht musste er feststellen, dass die Teeblätter inzwischen ihre Farbe verändert hatten und verdorben schienen. Um zu retten, was noch zu retten war, begann er die Blätter über dem Feuer zu rösten. Anschließend übergoss er einige davon mit heißem Wasser und kostete den Aufguss. Zu seiner Überraschung schmeckte das Ergebnis besser, als alle anderen Tees, die er zuvor getrunken hatte. Da der Name dieses Mannes Wu Liang lautete, war dieser neuartige Tee bald unter dem Namen „Wu Liang – Tee“ bekannt.

Unfall oder Gaunerei – warum der Earl Grey nach Bergamotte schmeckt

Es gibt wohl keinen anderen Tee, den man so stark mit der britischen Kultur verbindet, wie den Earl Grey. Der Namensvetter des beliebten Heißgetränks mit dem typischen Bergamotte-Aroma ist der Earl Charles Grey II. Dieser ist auch der Hauptakteur in den zahlreichen Legenden, die von der Erfindung dieses Tees handeln.

So soll ein Schiff, das sowohl Kisten mit schwarzem Tee als auch Fässer mit Bergamotte-Öl geladen hatte, in Seenot geraten sein. Während eines Sturmes erlitten die Ölfässer einen schweren Schaden und das Bergamotte-Öl ergoss sich über den Tee. Die Not war groß, schließlich war der schwarze Tee eigens für Earl Charles Grey II bestimmt. Das Schiff erreichte nach langem Bangen doch noch den rettenden Hafen. Sofort schickte man dort nach dem Earl, denn sein lange ersehnter Tee schien auf den ersten Blick ja verdorben. Der Graf wollte das kostbare Gute jedoch nicht einfach so entsorgen. Stattdessen ließ er sich eine Tasse davon zubereiten. Bereits nach dem ersten Schluck war er hellauf von dem fruchtig-herben Zitrusaroma des Tees begeistert. Schon bald begann Earl Charles Grey II damit, den Tee in großen Mengen herstellen zu lassen.

Eine andere Geschichte erzählt davon, dass der Graf auf eine Betrügerei hereingefallen sein soll. Unlauter agierende Teehändler boten ihm unreinen Tee an. Um den verfälschten Geschmack zu überdecken, gaben sie Bergamotte-Öl in die Mischung. Der Plan ging auf, schließlich war der Graf hin und weg von diesem neuartigen Aroma.

Seinen zauberhaften Charakter hat Tee heutzutage noch immer beibehalten. Eine Tasse des wärmenden Getränks nach einem anstrengenden Tag beflügelt nicht nur Körper und Geist, sondern auch unsere Fantasie und lädt zum Träumen ein. Ob es sich bei diesen Träumereien nun um mystische Wesen, zauberhafte Verwandlungen oder Fräulein Zufall handelt – das bleibt Ihnen überlassen.

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