Teebeutel mit Schwarztee, Kräutertee und Früchtetee

Teebeutel oder loser Tee – worin liegt der Unterschied?

Die einen schätzen ihn gerade wegen seiner praktischen Handhabung, bei anderen ist er verhasst – die Rede ist natürlich vom Teebeutel. Um die noch verhältnismäßig junge Erfindung rankt sich so manch unschöner Mythos. Doch was davon ist wahr? Und was unterscheidet Tee aus Beuteln eigentlich von losem Tee? Das werden wir in folgendem Beitrag klären.

Eine Frage des Volumens

Loser Tee besteht meist aus ganzen Teeblättern, während sich in den Teebeuteln in der Regel nur ein feines Pulver befindet. Das liegt daran, dass der Tee im heißen Wasser stark an Volumen zunimmt.  Große Teeblätter kämen da in einem Teebeutel schnell in Bedrängnis, würden diesen am Ende noch zerreißen und sich anschließend fröhlich im Teewasser verteilen. Fein gemahlener  Tee dagegen nimmt während dem Ziehen kaum an Volumen zu und bekommt deshalb auch keine Platzprobleme.

Diese kleinen Teeteile werden in Fachkreisen „Fannings“ und „Dust“ genannt. Laut einigen bösen Zungen soll es sich dabei um minderwertigen Teeabfall handeln, bis zur Unkenntlichkeit zerkleinert und dann billig in den Supermärkten verkauft. Ganz der Wahrheit entspricht dieses Gerücht jedoch nicht. Besonders hochwertige und edle Tees werden meist nur in loser Form angeboten – das stimmt. Lose Tees und Beuteltees wachsen jedoch an der gleichen Teepflanze heran, werden auf der gleichen Teeplantage angebaut und auch zeitgleich geerntet und weiterverarbeitet. Erst während des weiteren Herstellungsprozesses erfolgt die Trennung der feinen Teeteile von den großen Teeblättern.

Eine kurze Geschichte des Teebeutels

Als der New Yorker Teehändler Thomas Sullivan Anfang des 20. Jahrhundert damit begann losen Tee in kleine Säckchen aus Seide zu füllen, hatte er bestimmt nicht geplant die Art wie wir Tee zubereiten und trinken zu revolutionieren. Der gute Mann war lediglich auf der Suche nach einer kostengünstigeren Versandmethode für seine Teeproben, die er zuvor noch in kleinen Döschen aus Metall verschickt hatte. Seine Kunden, die wahrscheinlich nicht ganz die Intention hinter dieser neuen Verpackung verstanden, gaben den Tee schlichtweg samt Seidenbeutel ins heiße Wasser und waren von dieser Innovation begeistert. Schon kurz darauf begannen die ersten Kunden explizit nach Tee in Beuteln zu Fragen. Und da auch Seide dem netten Herrn Sullivan auf Dauer zu teuer wurde, ersetzte er sie zunächst durch Musselin und schlussendlich dann durch Papier.

Bis sich das Konzept des Teebeutels jedoch wirklich durchsetzen konnte, dauerte es noch eine ganze Weile. In den 1920ern griff die deutsche Firma Teekanne die amerikanische Erfindung auf und perfektionierte diese immer weiter. Ende der 40er Jahre entstand so endlich der klassische Teebeutel, wie wir ihn alle kennen und – mehr oder weniger – lieben.

Vor- und Nachteile von Beuteltee

Obwohl noch nicht lange auf dieser Welt, hat Beuteltee dem losen Tee in Sachen Beliebtheit bereits den Rang abgelaufen. Rund 80 % des in Deutschland verkauften Tees geht im Beutelformat über das Kassenband, weltweit sind es immerhin satte 75 %. Der wohl wichtigste Grund dafür – Tee aus Beuteln ist schnell und unkompliziert zubereitet. Außerdem kann sich bei dem fein gemahlenen Beuteltee sowohl sein Aroma als auch das in ihm enthaltene Koffein schneller im heißen Wasser entfalten.

Ein Nachteil von Teebeuteln ist jedoch, dass sich die Teedosis nur schwer individuell anpassen lässt. Ebenfalls werden in der Regel nur die herkömmlichen Teesorten im Beutel angeboten. Exotischere Mischungen gibt es meist nur als losen Tee zu kaufen.

Vor- und Nachteile von losem Tee

Ein klarer Vorteil von losem Tee ist, dass sich hier die Teemenge ganz an den individuellen Geschmack anpassen lässt, was auch einige Experimentiermöglichkeiten bei der Zubereitung mit sich bringt. Loser Tee bietet eine größere Vielfalt an Teesorten als Beuteltee, denn in ihm können auch problemlos großvolumige Zutaten enthalten sein. Wer nach fantasievolleren Sorten sucht, der greift daher am besten zu losem Tee. Dieser ist auch meist aromatischer als sein Artverwandter aus dem Beutel. Werden die Teeblätter nämlich stark zerkleinert, so beginnen die in ihnen enthaltenen ätherischen Öle zu verdunsten. Und gerade die sind es, die dem Tee seinen Geschmack geben. Da die Zubereitung von losem Tee mehrere Arbeitsschritte mit sich bringt, bietet sie auch die perfekte Gelegenheit dazu, eine eigene kleine Teezeremonie durchzuführen.

Aber gerade diese Arbeitsschritte sind es, die die Zubereitung von losem Tee auch um einiges zeitintensiver machen. Außerdem wird hier oft noch spezielles Zubehör benötigt wie Teesieb, Teefilter oder Teemaß.

Im Beutel oder lose – was ist denn jetzt besser?

Ob Teebeutel oder loser Tee – das muss schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden. Im stressigen Alltag hat der Teebeutel ganz klar die Nase vorn. Muss es einmal schnell gehen und man will dennoch nicht auf das geliebte Heißgetränk verzichten, so lässt sich damit in Windeseile eine dampfende Tasse Tee zubereiten. Sucht man dagegen Entspannung und möchte sich ganz bewusst dem Genuss hingeben, so sollte man lieber zu losem Tee greifen. Die traditionelle Teezubereitung eignet sich perfekt dafür zur Ruhe zu kommen und seine innere Mitte zu finden. Und genau dazu ist Tee ja schließlich da.

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