Japanische Teekannen

Japanische Teekannen

Die Teezeremonien aus Fernost sind inzwischen auch hierzulande angekommen. Wer einem chinesischen Gongfu oder japanischen Chado beiwohnen möchte, muss schon lange nicht mehr in ein Flugzeug steigen und um die halbe Welt fliegen. Die zauberhaften Rituale lassen sich jetzt auch in den eignen vier Wänden erleben – vorausgesetzt natürlich man nennt das richtige Teegeschirr sein Eigen.  Welche Arten von traditionellem Teegeschirr es gibt und worin sie sich unterscheiden, damit wollen wir uns im folgenden Beitrag befassen.

Die Kyusu

Grüntee aus der tönernen Kanne

Unter dem Begriff Kyusu versteht man eine aus Ton gefertigte Teekanne, in der traditionell grüner Tee zubereitet wird. Ins Deutsche übertragen bedeutet der Name etwa so viel wie „irdenes Teekännchen“. Und tatsächlich handelt es sich bei der Kyusu um eine verhältnismäßig kleine Kanne mit einem Fassungsvermögen zwischen 150 und 400 ml.

Die hochwertigsten Kyusu stammen aus der Region Tokoname und werden noch von Hand gefertigt. Die Kannen werden nicht bemalt, sondern erhalten ihre Farbe durch den Mineralstoffgehalt im Ton. Abhängig von der jeweiligen Tonart kann hier entweder mehr Eisen oder Mangan enthalten sein. Ein hoher Eisengehalt führt zu einer Rotfärbung, während ein großer Anteil an Mangan die fertige Kanne schwarz werden lässt.

Teesieb inklusive

In einer traditionellen Kyusu ist ein Teefilter integriert, der speziell für die Zubereitung von grünem Tee entwickelt wurde. Die Maschen des Filters haben die ideale Größe, um einerseits zu verhindern, dass allzu grobe Blattteile mit in die Tasse gegossen werden, andererseits ermöglichen sie jedoch auch eine optimale Entfaltung der Aromen. Oftmals sind die Teesiebe ebenfalls aus Keramik gefertigt, aber auch Siebe aus Edelstahl sind mittlerweile gang und gäbe.

Die Mischung macht’s

Unglaublich aber wahr – die Art des Tons, aus dem die Kyusu gefertigt wurde, kann sich tatsächlich auf den Geschmack des Tees auswirken. In sowohl  dem für die Kyusu genutzten Ton als auch dem für die Teezubereitung verwendeten Wasser sind jede Menge Mineralien enthalten. Wird Tee in der Kyusu aufgegossen, so reagieren diese Mineralien miteinander. Das Endergebnis dieser chemischen Reaktion kann man dann im fertigen Tee schmecken. Am besten lässt sich dieses Phänomen bei Kannen beobachten, die noch aus natürlichem Ton gefertigt werden. Doch diese sind heutzutage leider eine Seltenheit. Mittlerweile besteht ein Großteil der auf dem Markt erhältlichen Kyusu aus künstlich vermischtem Ton.

Tee in der Kyusu zubereiten

Die traditionelle Zubereitung von grünem Tee mit einer Kyusu läuft etwas anders ab, als die uns hierzulande bekannte Methode. Als erstes werden die Teeblätter lose in die Kyusu gegeben. Das Teewasser wird zum Kochen gebracht und anschließend auf die Teetassen aufgeteilt. Nun wartet man, bis das Wasser auf die für die Teezubereitung benötigte Temperatur abgekühlt ist. Erst dann wird es aus den Tassen in die Kanne gegossen. Nun lässt man den grünen Tee ziehen und verteilt den Inhalt der Kanne anschließend gleichmäßig auf alle Teetassen. Die Teeblätter verbleiben dabei in der Kanne. Möchte man mehrere Aufgüsse durchführen, so sollte man die Kyusu zuerst gänzlich leeren. Sind noch Reste der vorhergehenden Aufgüsse in der Kanne enthalten, so kann sich das negativ auf den Geschmack der nachfolgenden Aufgüsse auswirken.

Bei Ton handelt es sich um ein sehr poröses Material. Deshalb neigt er auch dazu, fremde Aromen schnell in sich aufzunehmen. Um zu verhindern, dass der Geschmack Ihres Tees verfälscht wird, sollten Sie eine Kyusu daher immer nur für die Zubereitung einer bestimmten Teesorte verwenden.

Die Kyusu richtig reinigen

Aufgrund der eben schon erwähnten Porosität des Tons sollten Sie eine Kyusu niemals mit Spülmittel reinigen. Stattdessen genügt es vollkommen, die Kanne mit heißem Wasser auszuspülen. Dies verhindert, dass Ihr Tee am Ende unangenehm nach Spülmittel schmeckt und sorgt für die Bildung einer sogenannten Patina an der Kanneninnenseite. Diesen gelblich bis bräunlichen Ablagerungen wird nachgesagt, dass sie den Geschmack des Tees noch intensivieren. Wenn Sie die Patina doch lieber loswerden wollen, so können Sie diese durch sanftes Schrubben mit einem weichen Spülschwamm entfernen.

Die Tetsubin Kyusu

Eine Kanne aus Gusseisen

Eine weitere traditionelle japanische Teekanne ist die Tetsubin Kyusu. Im Gegensatz zur tönernen Kyusu ist diese aus Gusseisen gefertigt. Das hat den Vorteil, dass das Teewasser über längere Zeit warm bleibt. Aus diesem Grund wurde die Tetsubin Kyusu auch ursprünglich nur als Wasserkessel verwendet. Das in ihr abgekochte Wasser behielt seine Temperatur und so war es möglich, die eigentliche Teekanne immer wieder bequem mit neuem heißem Wasser zu befüllen. Erst später begann man damit, Tee direkt in der Tetsubin Kyusu zuzubereiten.

Die oft mit aufwendigen Mustern verzierten Tetsubin Kyusu besitzen in der Regel ein Volumen von 0,5 bis hin zu 2 Litern. Die Innenseite der Kanne ist bei den hierzulande erhältlichen Modellen emailliert. Bei traditionellen Tetsubin Kyusu aus Japan wird auf diese Behandlung verzichtet.

Kunstvolle Handarbeit

Die Gussform einer Tetsubin Kyusu kann entweder aus Sand oder Ton angefertigt werden, wobei aus einer Tonform stammende Kannen als wertvoller und hochwertiger gelten. Das kommt daher, dass Gussformen aus Ton nicht mehrmals verwendet werden können und deshalb für jede einzelne Kanne eine eigene Form hergestellt werden muss. Formen aus Sand können dagegen für mehrere Güsse verwendet werden.

Das die Tetsubin Kyusu zierende Muster wird in aufwendiger Handarbeit in jede einzelne Gussform geprägt – zumindest bei besonders teuren Modellen. Billigere Kannen von minderwertigerer Qualität verfügen oft über ein verwaschenes und unebenes Muster. Das liegt daran, dass die Gussform für die Herstellung von mehr als eine Kanne benutzt wurde.

Der richtige Umgang mit der Tetsubin Kyusu

Bevor Sie Tee in ihr Zubereiten, muss die Tetsubin Kyusu mit heißem Wasser erwärmt werden. Dieses Wasser können Sie danach ausschütten. Geben Sie nun die Teeblätter in ein Teesieb, welches Sie anschließend in die Kanne hängen. Nun den Tee seiner Sorte entsprechend aufgießen und ziehen lassen. Nach Ablauf der Ziehzeit die Teeblätter aus der Kanne entfernen.

Wenn Sie die Tetsubin Kyusu nicht nur für die Zubereitung von Tee, sondern auch zum Erhitzen von Wasser verwenden wollen, so gibt es einige Punkte zu beachten. Die Kanne kann problemlos sowohl auf dem Gas- also auch dem Elektroherd verwendet werden. Tetsubin Kyusu, deren Innenseite nicht emailliert wurde, können sogar über dem offenen Feuer zum Einsatz kommen. Sie sollten die Kanne jedoch niemals ohne Inhalt auf eine heiße Wärmequelle stellen. Dies kann nämlich dazu führen, dass Risse im Material entstehen und die Kanne dadurch unbrauchbar wird. Diese Gefahr besteht auch, wenn die Tetsubin Kyusu zu schnell erhitzt oder wieder abgekühlt wird. Auch mit Inhalt sollten Sie die Kanne als stets behutsam erhitzen.

Wie die klassische Kyusu wird auch die Tetsubin Kyusu ausschließlich mit warmem Wasser gereinigt. Um die Schicht aus Emaille im Kanneninneren nicht zu beschädigen, sollten Sie auf den Gebrauch von Spülschwämmen oder Bürsten verzichten. Stattdessen genügt es, die Kanne mit einem weichen Tuch vorsichtig auszureiben und anschließend mit geöffnetem Deckel abtrocknen zu lassen.

Mit ihren interessanten Formen und Mustern sind sowohl die Kyusu als auch die Tetsubin Kyusu ein echter Blickfang. Eine hochwertige Teekanne dieser Art kann zu einem lebenslangen Begleiter werden und Ihnen viele schöne Teestunden bescheren. Eine Investition, die sich lohnt!

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