Die taiwanesische Teekultur

Die taiwanesische Teekultur

Neben China gehört Taiwan zu den führenden Produzenten für Oolong Tee. Einige der kostbarsten und edelsten Oolongs werden auf der Insel angebaut. Doch nicht nur die große Vielfalt an unterschiedlichen Teesorten macht das Land so faszinierend, sondern auch die dort herrschende Teekultur. Und mit genau dieser befassen wir uns im folgenden Beitrag.

Oolong – der Stolz der Insel

Der in Taiwan am meisten konsumierte Tee ist der Oolong Tee, der dort in den heimischen Teegärten angebaut und hergestellt wird. Die taiwanesische Teezubereitung ähnelt der auf dem chinesischen Festland verbreiteten Gong Fu, beinhaltet jedoch auch ganz eigene Traditionen. Speziell auf den Verkauf von Oolong Tee ausgelegte Läden und Teehäuser sind auf der Insel keine Seltenheit. Die Teekultur wird gerne und oft zelebriert und schließt dabei alle Bevölkerungsschichten mit ein. Ein gutes Beispiel dafür sind regelmäßig stattfindende Teewettbewerbe. Bei diesen der Öffentlichkeit zugänglichen Veranstaltungen präsentieren taiwanesische Teebauern ihren geernteten Tee, der dann von Händlern, anderen Produzenten aber auch von einfachen Teefreunden genauestens unter die Lupe genommen werden kann.

Gong Fu in Taiwan – ein prunkvolles Spektakel für die Sinne                                                                              

Im Laufe der Jahrhunderte entstand auf Taiwan eine eigene Form der zeremoniellen Teezubereitung, die in ihren Grundsätzen an die Gong Fu – Zeremonie angelehnt ist. Die taiwanesischen Teehäuser sind meist mit einem prachtvollen Mobiliar ausgestattet. Das Herzstück bildet hier ein großer Teetisch, hergestellt aus Zedernholz und oft kunstvoll und in Handarbeit verziert. Ebenso edel ist auch das Teegeschirr. Feinste Keramikware kommt hier zum Einsatz.

Einen besonders hohen Stellenwert hat bei der taiwanesischen Teezeremonie der Duft des Tees. Neben der Teekanne und den Trinkschalen gehört deswegen auch ein sogenannter Duftbecher zu den bei der Gong Fu verwendeten Utensilien. Genau wie bei der auf dem chinesischen Festland durchgeführten Teezeremonie wird auch in Taiwan der erste Aufguss nicht getrunken. Stattdessen wird er in den Duftbecher gegossen und anschließend von allen Teilnehmern nach seinem Geruch beurteilt. Anschließend wird der erste Aufguss weggeschüttet.

Eine weitere Besonderheit der taiwanesischen Gong Fu ist der Einsatz eines Gießers. Der Tee wird nicht direkt von der Kanne in die Trinkschalen gegossen, sondern zuerst in den Gießer gefüllt. Danach wandert er in die Duftbecher und schlussendlich in die Trinkschalen. Dieser Prozess wird bei jedem Aufguss wiederholt. Je nach Qualität des Oolong Tees kann dies bis zu fünfzehnmal der Fall sein.

Im privaten Bereich kommen die Teetische nur selten zum Einsatz. Hier trifft man oft auf ein „Teeboot“. Das ist eine etwas größere und in der Regel aus Holz oder Keramik gefertigte Schale, in der die Teekanne platziert wird. Über diese wird nun heißes Wasser gegossen. Das Wasserbad sorgt dafür, dass der Tee sehr schnell zieht und ein sehr duftiges und äußerst intensives Aroma erhält.

Die verschiedenen Fermentierungsgrade von Oolong

In Taiwan existieren drei verschiedene Kategorien von Oolong Tee. Die Einteilung erfolgt hier nach dem jeweiligen Fortschritt der Fermentation.

Nur leicht fermentierte Tees werden Pouchongs genannt. Bei ihnen handelt es sich um äußerst feine und duftige Tees mit einer hellgrünen Tassenfarbe. Sie verfügen über ein blumig-süßes Aroma, das von einer zarten Fruchtnote durchzogen sein kann. Die Teeblätter sind nur wenig bis kaum gerollt und ähneln in ihrer Farbgebung grünem Tee.

Weitaus mehr fermentiert ist da schon der Zhen Cha Oolong. Dessen Fermentierungsgrad bewegt sich zwischen zwanzig und dreißig Prozent. Auch diese Kategorie zeichnet sich durch einen floral anmutenden Geschmack aus, jedoch sind hier die fruchtigen Nuancen deutlich ausgeprägter. Charakteristisch für Zhen Cha Oolong Tees sind das stark eingerollte Teeblatt und eine grüne Aufgussfarbe.

Hat ein Oolong Tee einen Fermentierungsgrad von fünfzig Prozent, so spricht man von einem So Cha Oolong. Ein dunkles und kräftig gerolltes Blatt sind für diese Tees kennzeichnend. Geschmacklich ähneln So Cha Oolong Tees schwarzen Tees. Ihr Aroma kann malzig oder herb sein und von süßlichen oder fruchtigen Noten begleitet werden. Die Tassenfarbe ist hier nicht mehr grün, sondern erstrahlt in einem satten Goldgelb.

Taiwans berühmteste Anbaugebiete

Insgesamt gibt es auf der Insel acht verschiedene  Anbaugebiete, in denen noch immer hauptsächlich Oolong Tee produziert wird. Drei Gebiete sind dabei von besonders großer Wichtigkeit.

Wenshan

So ist die Wenshan-Region die Heimat des Pouchong-Tees. Hier gedeihen die Teepflanzen in 200 bis 800 Metern Höhe. Wenshan gehört zu Taiwans ältesten Teeanbaugebieten, weshalb für die Region besondere Umweltschutzmaßnahmen gelten. Somit wird den Teepflanzen ermöglicht, in einer sauberen Umgebung und auf eine natürliche Weise heranzuwachsen. Der ertragreichste Bezirk im Wenshan-Gebiet trägt den Namen Pinglin. Dort verdient sich ein Großteil der Bevölkerung als Teebauern seinen Lebensunterhalt. Das liegt an den in Pinglin vorkommenden geografischen Gegebenheiten und den besonderen klimatischen Bedingungen. Die Gegend ist hier von Berghängen geprägt und das ganze Jahr über herrschen milde Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit – erstklassige Anforderungen für echte Spitzentees.

Ren-ai

Das Ren-ai-Gebiet ist für seine hochwertigen Hochland-Tees bekannt. Die machen ihrem Namen auch alle Ehre, schließlich befinden sich die Teegärten in einer Höhe von 1.500 bis 2.000 Metern. Hier gibt es viele kleine Teegärten, die von selbstständig agierenden Teebauern bewirtschaftet werden. Dadurch entsteht eine große Auswahl vielen unterschiedlichen Oolong Tees, alle ja nach Teegarten, Anbau- und Verarbeitungsweise mit ihrem ganz eigenen Geschmack. Die Ren-ai-Region bringt besonders aromatische und gehaltvolle Oolong Variationen hervor, die über vielseitige florale Nuancen verfügen.

Mingjian

Etwa die Hälfte alles in Taiwan produzierten Tees wird im Mingjian-Gebiet angebaut, was die Region zum größten taiwanesischen Anbaugebiet für Tee macht. Anbau, Ernte und Verarbeitung erfolgen hier mittlerweile beinahe komplett automatisiert. So können in einem nur sehr kurzen Zeitraum sehr große Erträge erzielt werden. Der in Mingjian produzierte Oolong ist trotz der dort herrschenden Massenproduktion ein äußerst hochwertiger Tee. In Taiwan ist er zu überall und für wenig Geld erhältlich, was ihn zu einem unverzichtbaren Alltagstee macht.

Oolong Tees aus Taiwan sind aufgrund ihres sanften Charakters auch sehr gut für Tee-Neulinge geeignet. Für Einsteiger empfehlen sich zum Beispiel unser Oolong Formosa Fine oder unser Oolong Formosa Jade. So können auch Sie den Zauber der taiwanesischen Teekultur hautnah erleben.

 

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