Frische Teeblätter

Long Jing Tee – erlesener Grüntee aus China

Nicht nur Darjeeling Tee wird von vielen Teekennern als der „Champagner unter den Tees“ bezeichnet. Es gibt noch eine weitere Teesorte, die diesen Titel innehält. Die Rede ist vom Long Jing Tee. Was es mit der chinesischen Teespezialität auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Eine Teesorte mit Geschichte

Die Geschichte des Long Jing Tees lässt sich über 1.200 Jahre zurückverfolgen. Damit gehört er zu den ältesten Grüntee Sorten überhaupt. Seinen Ursprung soll dieser grüne Tee im Dorf Longjing, das in der Nähe der chinesischen Großstadt Hangzhou liegt, haben. Dort wird dieser Tee auch noch immer angebaut und verarbeitet.

In dem 800-Seelen-Dorf leben fast ausschließlich Teebauern. Die dortigen Teegärten ergeben gemeinsam eine Anbaufläche von rund 800 Hektar. Dabei handelt es sich sowohl um kommerzielle Teegärten als auch kleine Gärten, die der Selbstversorgung dienen. In Longjing dreht sich fast alles um Tee. So hat das Dorf neben den unzähligen Teegärten auch noch zahlreiche Teehäuser in petto, in denen ein Großteil des sozialen Lebens stattfindet. Man tauscht sich dort nicht nur über den alltäglichen Klatsch und Tratsch aus, auch kulturelle Veranstaltungen wie Theatervorstellungen oder Konzerte findet dort statt.

Ein Name – drei Legenden

Long Jing Tee ist hierzulande noch unter einem anderen Namen bekannt – Drachenbrunnen Tee. Dabei handelt sich um die Übersetzung seines chinesischen Namens. Sowohl der Name des Tees als auch des Dorfes sind an einen sich in Dorfnähe befindenden Brunnen angelehnt, der den abenteuerlich klingenden Namen Drachenbrunnen trägt. Dieser Brunnen soll rund 1.700 Jahre alt sein. Über seine Namensgebung erzählt man sich drei unterschiedliche Legenden.

So soll laut einer Erzählung der Name auf einen drachenförmigen Stein, den Arbeiter beim Ausheben des Brunnens fanden, zurückgehen. Eine andere Legende wiederum erzählt von einem Drachen, der in dem Brunnen gewohnt haben soll. Dieser soll Macht über das Wetter gehabt haben, weshalb er von den Bauern, die sich dadurch gute Ernten erhofften, verehrt wurde.

Die letzte Legende ist auch zeitgleich die glaubhafteste. Aufgrund seines hohen Mineraliengehalts soll das Wasser im Brunnen eine besonders hohe Dichte und weitere Besonderheiten aufweisen. Läuft bei einem starken Regen Regenwasser in den Brunnen, dann soll es zu einer Vermischung der unterschiedlich dichten Wasserarten kommen. Das Ergebnis sind schillernde Schlieren, die in ihrer Form an die volkstümlichen chinesischen Drachen erinnern.

So wird Long Jing Tee hergestellt

Ab Mitte März beginnen die Teepflanzen damit, die ersten Blätter auszubilden. Aus diesen feinen und zarten Blättern wird der edelste grüne Tee hergestellt. Aber auch im April lässt sich noch sehr hochwertiger Tee ernten. Die darauffolgenden Ernten ergeben dann meist nur noch mittelmäßige Alltagstees. Die im Frühjahr als erstes geernteten Blätter verfügen über ein besonders mildes und leicht süßes Aroma, während die Blätter aus späteren Ernten deutlich herber im Geschmack sind.

Die Ernte erfolgt bei Long Jing Tee in Handarbeit. Eine Person kann dabei pro Tag rund ein Kilogramm Teeblätter ernten. Um den Fermentationsprozess zu unterbrechen, müssen die Teeblätter bereits kurz nach der Ernte geröstet werden. Auch dies geschieht noch in Handarbeit in einem eisernen Wok und nicht etwa maschinell, wie es inzwischen in vielen anderen Anbaugebieten üblich ist. Das Rösten verleiht dem Tee ein leicht nussiges Aroma. Der Röstprozess nimmt etwa vier bis fünf Stunden in Anspruch. Erfahrene Röster schaffen es teilweise, täglich rund 10 Kilogramm Teeblätter zu rösten.

Die Qualitätsstufen des Long Jing Tees

Bei Long Jing Tee gibt es insgesamt sieben unterschiedliche Qualitätsstufen. Diese beginnen bei Superior, gefolgt von Special und anschließend die Stufen 1 bis 5, wobei 5 die niedrigste Qualitätsstufe darstellt. Ein wichtiger Qualitätsfaktor ist dabei die Form der Teeblätter. Diese sollten sowohl vor als auch nach dem Aufbrühen alle in Größe und Farbe identisch sein.

Die Blätter von besonders hochwertigem Long Jing Tee haben in trockenem Zustand eine hellgrüne Farbe und eine kleine und flache Blattform. Was wie ein einzelnes Teeblatt aussieht, sind in Wirklichkeit meist zwei Blätter, die während des Röstvorgangs zusammengepresst wurden. Zwischen diesen beiden Blättern befindet sich der Blattstiel.

Long Jing Tee ist heutzutage sehr begehrt. Um der hohen Nachfrage nachzukommen, wird Long Jing Tee inzwischen auch in weiteren Gebieten angebaut. Diese Variante stammt in der Regel aus der Region Zhejiang und ist deutlich günstiger als das Original. Während es sich bei den Tees aus dem Dorf Longjing noch um traditionelle Handarbeit handelt, werden Tee aus Zhejiang meist maschinell verarbeitet.

Authentischer Long Jing Tee hat einen süßen und nur sehr dezent herben Geschmack, der von einer frisch-grasigen Note durchzogen ist. Bei dieser Grüntee Sorte sind in der Regel vier bis fünf Aufgüsse möglich.